
NATUR
Schön, aber gefährlich: das Jakobskreuzkraut auf Weiden
Auf immer mehr Wiesen und Weiden in Europa wächst eine Pflanze mit leuchtend gelben Blüten: das Jakobskreuzkraut. Die Schönheit täuscht. Alle Teile der Pflanze sind giftig und können vor allem Pferde und Rinder lebensgefährlich schädigen.
Hier erfährst du, woran du das Kraut erkennst, warum es gerade im Heu so tückisch ist und wie du deine Weiden schützt.
WDO-Redaktion · erstmals erschienen am 18.06.2014
Eine Pflanze aus der Gattung der Greiskräuter
Das Jakobskreuzkraut gehört zu den Greiskräutern und heißt deshalb auch Jakobs-Greiskraut. Es blüht etwa von Juni bis in den Herbst mit doldenartigen Ständen aus vielen gelben, margeritenähnlichen Köpfchen. Die Blätter sind tief eingeschnitten und wirken zerfranst. Im ersten Jahr bildet die Pflanze meist nur eine flache Blattrosette, erst danach treibt sie die hohen Blütenstängel.
Giftig machen sie die Pyrrolizidinalkaloide, die die Leber schädigen. Alle Pflanzenteile enthalten sie; in den Blüten ist die Konzentration besonders hoch – nach älteren Angaben etwa doppelt so hoch wie im Stängel.
MERKSATZ
Die Leberschäden entstehen schleichend. Schon kleine Mengen, über Wochen gefressen, summieren sich – oft zeigen Tiere erst Symptome, wenn die Leber schwer geschädigt ist.
Warum Pferde besonders gefährdet sind
In den letzten Jahren hört man immer häufiger von Pferden, die das Kraut mitgefressen haben und dauerhaft geschädigt wurden oder sogar gestorben sind. Auf der Weide meiden viele Tiere die bitter schmeckende frische Pflanze noch. Gefährlich wird es, wenn das Futter knapp ist oder das Kraut ins Winterfutter gerät.
Denn anders als viele andere Giftpflanzen verliert das Jakobskreuzkraut beim Trocknen seine Giftigkeit nicht. Im Heu oder in der Silage bleiben die Alkaloide wirksam – gleichzeitig verschwindet der bittere Geschmack. So nehmen die Tiere das Gift mit dem normalen Futter auf, ohne es zu bemerken.
Pferdehaltern und Landwirten wird deshalb besondere Vorsicht geraten. Nach milden Wintern mit früher Vegetationszeit wächst das Kraut zudem schon früher im Jahr auf den Wiesen und Weiden.
So schützt du deine Weiden
Zunächst gilt: Die Gefahr nicht unterschätzen und gezielt vorsorgen. Diese Maßnahmen haben sich bewährt:
01 · Früh mähen: Mähe betroffene Flächen spätestens zu Blühbeginn, damit sich keine Samen bilden. Eine Pflanze kann Zehntausende Samen streuen, die viele Jahre keimfähig bleiben.
02 · Weide dicht halten: Eine gut gepflegte, gedüngte und dichte Grasnarbe lässt dem Kraut kaum Lücken zum Keimen. Überweidung und kahle Stellen fördern es.
03 · Einzelpflanzen ausstechen: Treten nur einzelne Pflanzen auf, stich sie samt Wurzel aus, am besten vor der Blüte.
04 · Richtig entsorgen: Ausgestochene Pflanzen gehören in den Restmüll, nicht auf den Kompost oder den Misthaufen – dort können Samen nachreifen.

Ausstechen mit Wurzel und Handschuhen: So werden einzelne Pflanzen am sichersten entfernt.
Trage beim Ausreißen oder Ausstechen unbedingt Schutzhandschuhe, damit der Pflanzensaft nicht an die Haut gelangt. Ist eine Fläche stark befallen, kann eine Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln nötig sein. Das sollte nur mit zugelassenen Mitteln und nach Beratung geschehen, zum Beispiel durch die Landwirtschaftskammer oder das Pflanzenschutzamt deines Bundeslandes.
Auch für Menschen ein Thema
Pyrrolizidinalkaloide können über Umwege auch in Lebensmittel gelangen, etwa in Honig, wenn Bienen viel Jakobskreuzkraut anfliegen, oder in Kräutertees, wenn die Pflanze bei der Ernte mit ins Erntegut gerät. Deshalb achten Imker und Lebensmittelhersteller ebenfalls auf befallene Flächen. Für Weidebesitzer heißt das: Wer das Kraut früh bekämpft, schützt nicht nur die eigenen Tiere.
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