Wo das Internet wirklich liegt: Kabel am Meeresboden

Eine Nachricht aufs andere Ende der Welt wirkt kabellos. Der entscheidende Weg führt jedoch oft durch Glasfasern auf dem Meeresboden. Satelliten haben ihre Aufgabe, aber das Rückgrat der globalen Kommunikation liegt unter Wasser.

Fast der gesamte weltweite Internetverkehr läuft durch Seekabel

Seekabel sind lange Telekommunikationskabel zwischen Ländern und Kontinenten. Die Internationale Fernmeldeunion bezeichnet sie als Rückgrat der globalen Kommunikation und gibt an, dass sie ungefähr 99 Prozent des weltweiten Internetverkehrs tragen. Das ist der Grund, warum ein Internetweg über Kontinente nicht automatisch den Umweg ins All nimmt.

Anfang 2026 waren mehr als 1,5 Millionen Kilometer Seekabel in Betrieb. TeleGeography erfasste zudem mehr als 600 aktive und geplante Systeme.

Auch das Bild des kabellosen Mobiltelefons stimmt nur bis zur nächsten Station. Ein Mobiltelefon ist nur bis zum nächsten Mobilfunkmast drahtlos verbunden. Danach kann der Datenweg über Glasfaser an Land und unter dem Meer weiterlaufen.

Satelliten erreichen Orte ohne Glasfaser und können ein Signal an viele Orte verteilen. Glasfaserkabel transportieren pro übertragenem Datenbit jedoch wesentlich mehr Daten zu geringeren Kosten. Deshalb ergänzen sich die Techniken, statt dieselbe Aufgabe im globalen Netz gleich gut zu erfüllen.

Im Inneren steckt Licht in Fasern so dünn wie ein Haar

Die Daten rasen nicht als elektrische Signale durch das Meer. Laser senden sehr schnelle Lichtsignale durch Glasfasern. Diese Fasern leiten Licht und damit die Daten weiter. Kunststoffschichten schützen sie; an manchen Stellen kommt Stahldraht hinzu.

Auf dem größten Teil der Ozeanstrecke ist ein Seekabel ungefähr so dick wie ein Gartenschlauch. Die lichtleitenden Glasfasern im Inneren haben ungefähr den Durchmesser eines menschlichen Haars.

Diese Kombination wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich: Ein dünner Kern trägt gewaltige Datenmengen, während die äußeren Schichten vor Druck und Belastung schützen. Wie stark der Schutz ausfällt, hängt auch davon ab, wo das Kabel liegt.

In Küstennähe wird das Kabel eingegraben, in der Tiefe liegt es auf

In tiefem Wasser liegen Telekommunikationskabel direkt auf dem Meeresboden. Dort ist die Gefahr durch Anker und Fischerei geringer. In Küstennähe werden sie meist im Boden vergraben und stärker armiert. Armiert bedeutet: Das Kabel erhält einen verstärkten Schutzmantel.

Bei Wassertiefen unter 2.000 Metern liegt die übliche Verlegetiefe bei 0,6 bis 1,5 Metern im Meeresboden. Häufig zieht ein Schiff dafür einen Wasserstrahlpflug.

Allein 2024 wurden fast 200.000 Kilometer neue Seekabel installiert. Unter dem Meer wächst also ein Netz, das nicht sichtbar ist, aber laufend erweitert wird.

Was bei einem Kabelriss passiert

Ein Kabel kann beschädigt werden. Der International Cable Protection Committee nennt weltweit etwa 150 bis 200 Fehler an Telekommunikations-Seekabeln pro Jahr. 70 bis 80 Prozent entstehen durch menschliche Aktivitäten, vor allem durch Fischerei und Schiffsanker. Daneben kommen Abrieb, technische Ausfälle, Stürme, Strömungen, Unterwasser-Erdrutsche und Sedimentströme infrage.

Ein einzelner Riss führt häufig nicht zum vollständigen Ausfall. Betreiber können Verkehr über andere See- oder Landrouten umleiten. Wie gut das gelingt, hängt von vorhandenen Ausweichwegen ab.

Die Reparatur verlangt Spezialschiffe und maritime Fachtechnik. Das beschädigte Kabel wird vom Meeresboden aufgenommen. Dann wird ein neues Stück eingespleißt, also fest mit den vorhandenen Enden verbunden, und wieder abgelegt.

Für diese Reparatur braucht es ungefähr die doppelte Wassertiefe als zusätzliche Kabellänge. Das Kabel muss beim Anheben und Wiederauslegen genug Spiel haben.

Das Internet ist nicht unsichtbar, sondern sehr konkret

Wer das Internet nur als Wellen und Satellitenbilder im Kopf hat, übersieht seine wichtigste Strecke. Das globale Netz besteht auch aus Kabeln, Landestellen, Schiffen und Reparaturarbeit. Selbst ein Kabel, das über weite Strecken nur gartenschlauchdick ist, kann Daten zwischen Kontinenten tragen.

Ein Riss bleibt ein Problem, besonders wenn Ausweichwege knapp sind. Er bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass ein Land oder das gesamte Internet verschwindet. Gerade die Möglichkeit, Verkehr auf andere Wege zu lenken, entscheidet über die Folgen.

Deshalb gehört zum Internet nicht nur die Übertragung mit Licht. Ebenso wichtig sind die Verbindungen, über die Daten ausweichen können, und die Arbeit, die beschädigte Strecken wieder schließt. Das Netz unter Wasser bleibt meist unsichtbar. Seine Aufgabe ist es nicht. Auf vielen Strecken zwischen Kontinenten liegt die entscheidende Verbindung direkt unter dem Meer.

Häufige Fragen zu Seekabeln

Ist das Internet hauptsächlich satellitengestützt?

Nein. Seekabel tragen ungefähr 99 Prozent des weltweiten Internetverkehrs. Satelliten sind besonders wichtig für Gebiete ohne Glasfaser und für die Verteilung eines Signals an viele Orte.

Wie dick ist ein Seekabel?

Auf dem größten Teil seiner Ozeanstrecke ungefähr so dick wie ein Gartenschlauch. Die Glasfasern im Inneren sind ungefähr so dünn wie ein menschliches Haar.

Wie lange dauert eine Reparatur?

Dafür gibt es keine allgemeingültige Dauer. Sie hängt unter anderem von Lage, Wassertiefe, Wetter, Schiffsverfügbarkeit und Genehmigungen ab.